Automotive: Russland-Investitionen trotz Krise

Die deutschen Automobilkonzerne sind in Russland wirtschaftlich weiterhin sehr aktiv. Obwohl das Jahr 2016 nicht zu den einfachsten Jahren der Branche gehört, setzen Mercedes und Co. auf die Produktion vor Ort. Der anhaltende Trend zum Export kann nach aktuellen Zahlen aber nicht verhindern, dass der Absatz von Personenkraftwagen und leichten Nutzfahrzeugen am Ende um rund zehn Prozent sinkt.

In 2017 wird Wachstum erwartet

Im zweiten Halbjahr 2016 zeichnet sich ein Trend ab, der sich im kommenden Jahr fortsetzen soll. Der Rückgang des Exports schwächt sich langsam ab. Ab 2017 soll die Zahl der verkauften Neuwagen auf 1,3 Millionen steigen. Der Export soll in den kommenden Monaten weiter angekurbelt werden, erste Tendenzen machen sich bereits bemerkbar. Ford nimmt beispielsweise Lieferungen nach Armenien auf. Ein besonderer Hebel ergibt sich für die ausländischen Großkonzerne, indem sie die Kosten für ihre russische Produktion weiter senken. Einige Modelle hat man ganz vom Markt genommen. Im ersten Halbjahr 2016 reduzierte sich die Produktion von Personenkraftwagen und leichten Nutzfahrzeugen bis zu einem Gewicht von 3,5 Tonnen auf 611.000 Stück. Die Auswahl an Modellen ist ebenfalls gesunken, sie lag im Juli 2016 bei noch 300 Stück.

Unterstützung durch die Regierung

Auffallend ist, dass die russische Regierung das Bestreben der Automobilindustrie mit eigenen Maßnahmen fördert. Der Anti-Krisen-Plan 2016 greift mit einem Volumen von gut 137 Milliarden Rubel. Ob der Automarkt auch im kommenden Jahr gestützt werden soll, entscheidet sich zu Ende November 2016. Insider erwarten, dass die staatlichen Subventionen im kommenden Jahr nicht reduziert werden. Erst ab 2018 steht eine neue Strategie zur Entwicklung der Industrie an, zu diesem Zeitpunkt läuft die Förderung der industriellen Montage aus.

Mercedes will weiter investieren

Interessant sind die Expansionspläne von Mercedes. Der Automobilriese plant den Bau eines neuen Werks bei Moskau. Die Produktionskapazität soll sich auf 25.000 PKW belaufen, das Werk wird rund 35 Kilometer nordwestlich des Moskauer Stadtzentrums stehen. Es ist geplant, die C- und E-Klasse und einige Geländewagen dort herzustellen. Schon im ersten Halbjahr 2019 soll die Produktion aufgenommen werden. Soll dieser Zeitplan gehalten werden, steht der Start der Ausschreibungen für die Bauleistung noch in diesem Jahr an. Daimler arbeitet beim Werksbau in einem Joint Venture mit Kamaz zusammen.

Weitere Konzerne mit Plänen

Nicht nur Mercedes will die Besonderheiten des russischen Marktes nutzen. Auch BMW steht in den Startlöchern. Geplant ist die Montage von neuen Modellen in Awtotor bei Kaliningrad. Im Augenblick werden dort die Modelle der 3er und der 5er Reihe produziert. Auch der Crossover läuft mit mehreren Modellen vom Band. Doch nicht nur die deutschen Automobilkonzerne sind in Russland vertreten, denn auch die großen internationalen Hersteller nutzen die örtlichen Kapazitäten.

Chance für den Transportmarkt

Die konstante Produktion in Russland hat Auswirkungen auf andere Branchen wie den Transportmarkt. Anlagen und Teile müssen in die Werke transportiert werden, dazu sind erfahrene Speditionsunternehmen gefragt. Sie müssen in Zoll- und Transitfragen nach Russland ebenso bewandert sein wie sie sich der logistischen Herausforderung stellen müssen. Insgesamt ist nach den neuesten Zahlen derzeit mit einer leichten Entspannung des Marktes zu rechnen.

Bildquelle: EuroGUS e.K. Internationale Spedition / www.eurogus.de