Russland: Nachhaltige Müllverwertung

Berge von Haushaltsmüll, veraltete Entsorgungstechnologien und verzögerte Belastungen von Müllgebühren: So sieht die Situation vielerorts in Russland derzeit aus. Doch Schritt für Schritt entscheiden sich immer mehr Kommunen, eigene Projekte anzuschieben. Auch für deutsche Unternehmen sollten sich zukünftig interessante Perspektiven ergeben. Mit ihrer Expertise und mit Technologien made in Germany möchte man auf einem lukrativen Markt Fuß fassen.

Die nachhaltige Verwertung von Abfall steht in Russland derzeit noch am Anfang ihrer Entwicklung. Ein Gesetzentwurf für das Kunststoffrecycling setzt hier an und will die juristische Basis schaffen für eine Branche, die ein erhebliches Entwicklungspotenzial hat. Erste Projekte sind bereits in der Entwicklung und werden aus dem ganzen Land mit großer Aufmerksamkeit betrachtet.

In der Stadt Tomsk im westlichen Sibirien wird von den staatlichen und den privaten Entsorgungsfirmen in Kürze ein Investitionsplan vorgelegt. Er soll den Bedarf an technischen Geräten zum Sammeln, Transportieren und Verwerten von Müll ermitteln. Öffentliche Ausschreibungen sollen folgen, um eine kostengünstige Beschaffung zu gewährleisten. Spätestens dann schlägt die Stunde deutscher Unternehmen, die ihre Expertise in Form von Knowhow und Ausrüstung bereitstellen können. Ein anschließender Transport nach Russland, GUS gehört zu den logistischen Herausforderungen, die es zu meistern gilt, sofern Maschinen aus Deutschland bezogen werden. Hier dürften die lokalen Entscheidungsträger mit Sicherheit auf die internationale Erfahrung kompetenter Speditionen zurückgreifen.

Ein weiterer vielversprechender Ansatz zeigt sich in der Republik Baschkortostan. Dort wird eine Müllverwertungsgesellschaft mit öffentlichen Geldern unter Beteiligung der lokalen Industrie gegründet. Dieses Vorgehen dürfte die lokale Wirtschaft nachhaltig stärken.

In Kaliningrad läuft bereits eine Ausschreibung für einen Konzessionsnehmer, der eine Deponie zur Müllentsorgung aufbauen kann. Auch internationale Investoren sind gerne gesehen, sofern sie die nötige Expertise nachweisen. Im Gebiet Tjumen in Westsibirien wird ein Investor gesucht, der das komplexe System zur Verwertung von Haus- und Industriemüll beherrscht und ein funktionsfähiges Werk vor Ort aufbauen kann.

Unterstützt werden alle Projekte durch einen Gesetzentwurf, der das Kunststoffrecycling im Land einführen will. Während in Deutschland rund 80 Prozent des Mülls weiterverarbeitet werden, beträgt die vergleichbare Quote in Russland derzeit nur zehn Prozent. Die Chancen für deutsche Unternehmen der Müllentsorgungsbranche stehen also gut, dass ihre Expertise im fernen Russland äußerst gefragt ist.

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